Wie die Schweiz 2026 sucht — und warum Google trotzdem gewinnt
41,6 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer tippen ihre Fragen inzwischen in einen Chatbot statt in eine Suchmaschine. Gleichzeitig hält Google 81 Prozent Marktanteil, und 95 Prozent der ChatGPT-Nutzenden benutzen weiterhin Google. Beides stimmt — und der scheinbare Widerspruch ist die eigentliche Nachricht für jeden lokalen Betrieb.

Es gibt gerade zwei Erzählungen über die Suche, und beide werden mit Zahlen belegt. Die eine sagt: KI frisst Google. Die andere sagt: KI ist ein Randphänomen. Wer als Betrieb entscheiden muss, wohin die begrenzte Zeit fürs Marketing geht, kann mit keiner von beiden etwas anfangen.
Wir haben die belastbaren Zahlen zusammengetragen — Schweizer Erhebungen, wo es sie gibt, und sonst mit klarer Kennzeichnung, woher sie stammen.
Die Zahl, die alle zitieren — und was sie wirklich sagt
Comparis hat im März 2026 repräsentativ 1'035 Personen in der Schweiz befragt. Ergebnis: 76,1 Prozent nutzen regelmässig KI-Werkzeuge, 2024 waren es noch 49,7 Prozent. Und 41,6 Prozent sagen, sie tippten ihre Fragen inzwischen in einen Chatbot statt in eine Suchmaschine.1
Diese 41,6 Prozent stehen seither in jeder zweiten Marketing-Präsentation. Meistens ohne die Zahl daneben.
Denn Similarweb hat zweimal gemessen — im September 2025 und im Mai 2026 — und beide Male dasselbe gefunden: 95 Prozent der ChatGPT-Nutzenden benutzen weiterhin Google. Die Überschneidung ist stabil geblieben, obwohl die KI-Nutzung stark gewachsen ist.
Die Grössenordnung, ehrlich
Wenn man nicht Umfragen misst, sondern Datenverkehr, wird das Bild noch deutlicher: KI-Werkzeuge machen rund 1,7 Prozent der Besuche in Europa und Grossbritannien aus, und der Verkehr, den sie an Websites weiterleiten, liegt unter einem Prozent des Gesamtverkehrs.2
| Kanal | Anteil | Woran gemessen |
|---|---|---|
| Google (Schweiz) | 81,2 % | Marktanteil an der Suche |
| KI-Werkzeuge (EU/UK) | 1,7 % | Anteil an allen Besuchen |
| Weiterleitung von KI an Websites | unter 1 % | Anteil am Gesamtverkehr |
Das heisst nicht, dass KI unwichtig ist. Es heisst, dass ein Betrieb, der seine Google-Präsenz vernachlässigt, um für ChatGPT zu optimieren, den falschen Tausch macht.
Der Teil, den fast alle übersehen
Für einen lokalen Betrieb in der Schweiz gibt es eine dritte Zahl, und sie ist die wichtigste von allen: 77 Prozent derjenigen, die einen Schweizer Betrieb über soziale Medien suchen, tun das auf Instagram.3
Dieselbe Erhebung — 47'079 Betriebe, das ist keine Stichprobe, sondern beinahe eine Vollerhebung — zeigt noch etwas: Nur 33 Prozent der Schweizer Mikrobetriebe haben überhaupt eine Website.
Zwei Drittel der kleinen Betriebe in diesem Land haben also keine Seite, auf die Google, ChatGPT oder sonst jemand verweisen könnte. Für sie ist die Frage «Wie werde ich in KI-Antworten gefunden» eine Etage zu früh gestellt.
Was daraus für deinen Betrieb folgt
Erstens: Google zuerst. Das Unternehmensprofil vollständig, aktuell und mit Fotos. Es ist der Kanal mit dem grössten Volumen — und zugleich die grösste Einzelquelle, aus der ChatGPT lokale Empfehlungen zieht. Eine Pflege, zwei Wirkungen.
Zweitens: Instagram, wenn dein Geschäft ein Buchungs- oder Laufkundengeschäft ist. Dort suchen drei von vier Menschen, die einen Betrieb über soziale Medien finden wollen.
Drittens: KI-Sichtbarkeit als Beilage, nicht als Hauptgang. Der Kanal ist echt und er wächst. Aber er ist heute klein, und die Massnahmen, die dort wirken, sind ohnehin dieselben, die auch bei Google wirken. Es gibt fast nichts, was du nur für ChatGPT tun müsstest.
Und wo bleibt die Schweiz in den Daten?
Beim ehrlichen Blick auf die Quellenlage bleibt ein Loch: Für die Schweiz existiert keine einzige Untersuchung dazu, welche Quellen ein Sprachmodell bei einer deutschsprachigen Frage nach einem Zürcher Betrieb zitiert. Ob local.ch oder search.ch dabei eine Rolle spielen, hat noch niemand gemessen. Alle grossen Zitationsstudien sind amerikanisch.
Wir messen das gerade selbst. Die Ergebnisse stehen hier, sobald die Reihe lang genug ist, um etwas zu bedeuten — und nicht früher.
Quellen
- Comparis, repräsentative Erhebung, März 2026, n = 1'035: 76,1 % nutzen regelmässig KI-Werkzeuge (2024: 49,7 %), 41,6 % tippen Fragen in einen Chatbot statt in eine Suchmaschine.
- Datos/Semrush mit SparkToro, Q1 2026: KI-Werkzeuge stellen 1,72 % der Besuche in EU und UK, ihr ausgehender Verkehr liegt unter 1 % des Gesamtverkehrs. Similarweb, Erhebungen 09/2025 und 05/2026: 95 % Überschneidung zwischen ChatGPT- und Google-Nutzung. Marktanteil Google Schweiz 81,18 % (Statcounter, 2026).
- localsearch und Hochschule Luzern, 2025, n = 47'079 Schweizer Betriebe: 77 % der Suchenden, die einen Betrieb über soziale Medien suchen, tun das auf Instagram; 33 % der Schweizer Mikrobetriebe haben eine Website.
- Zur Sichtbarkeit nach Markengrösse: globale Marken 73 %, etablierte Mittelstandsmarken 44 %, Nischen- und Kleinmarken 11 % der einschlägigen KI-Antworten.