ChatGPT Ads in der Schweiz: was wir gemessen haben, als wir den Kanal selbst aufgesetzt haben
Seit dem 31. August 2026 kann jeder Schweizer Betrieb Anzeigen in ChatGPT buchen. Wir haben zwei Wochen später ein Werbekonto eröffnet — aktiv nach vier Minuten —, ein Conversion-Ereignis angelegt und die Schnittstelle Feld für Feld durchgemessen. Hier steht, wie der Kanal funktioniert, was er kostet und was bis heute niemand weiss.

Ein Wirt fragt uns seit ein paar Wochen dasselbe: «Kann man in ChatGPT eigentlich Werbung machen?» Die Antwort ist seit dem 31. August 2026 ja — und zwar auch für einen Betrieb in Winterthur, nicht nur für einen Konzern in Kalifornien. An diesem Tag hat OpenAI den Self-Service in allen 31 europäischen Märkten geöffnet, die Schweiz eingeschlossen.1
Wir haben das nicht nachgelesen, sondern gemacht. Am 16. September haben wir ein Werbekonto eröffnet, ein Conversion-Ereignis angelegt, ein Pixel gesetzt und die Schnittstelle Feld für Feld durchgemessen. Was dabei herauskam, steht hier vollständig — samt der Teile, die gegen den Kanal sprechen.
Es gibt keine Keywords. Das ist der ganze Unterschied.
Wer Google Ads kennt, sucht als Erstes das Feld für Suchbegriffe. Es gibt keines. Wer Meta kennt, sucht Interessen, Lookalike-Zielgruppen und Retargeting. Gibt es auch nicht.
Du beschreibst dein Angebot, und das System entscheidet, in welchen Gesprächen es passt. Steuerbar sind Land, Region und Postleitzahl, das Budget, das Gebot und Ausschlüsse. Alles andere ist Semantik: ChatGPT liest deine Landingpage und ordnet sie einem Gespräch zu.
Das ist näher an Google als an Instagram — aber Google gleicht Wörter ab, ChatGPT gleicht Bedeutung ab. Wer «Znacht in Zürich» eintippt, hat nie das Wort «Restaurant» geschrieben.
Beworben wird eine Seite, nie ein Beitrag
Das überrascht die meisten: Du kannst keinen Instagram-Post «boosten». Eine Anzeige in ChatGPT ist eine Karte unter der Antwort, als «Sponsored» gekennzeichnet und sichtbar von der Antwort getrennt. Sie besteht aus:
- dem Absender mit Favicon
- einem Titel von höchstens 50 Zeichen
- einem Text von höchstens 100 Zeichen
- einem quadratischen Bild
- einem Link auf eine Seite
Für deinen Betrieb heisst das: ohne eigene Seite kein Kanal. Und weil ChatGPTs Robot kein JavaScript ausführt, muss der Text auf dieser Seite wirklich im ausgelieferten Quelltext stehen. Eine moderne Website, die ihren Inhalt erst im Browser zusammensetzt, sieht für das Modell aus wie eine leere Seite.3
Die Werbung beeinflusst die Antwort übrigens nicht. Sie steht darunter, und sie ist als Werbung markiert.
Was es kostet
Hier wird es unangenehm, und wir schreiben es trotzdem hin.
Die belegten Klickpreise aus fremden Konten liegen bei rund 9 US-Dollar. Die Klickrate liegt zwischen 0,3 und 1,3 Prozent — acht voneinander unabhängige Erhebungen landen alle in diesem Bereich.4 Google Search liegt zum Vergleich bei rund 6,4 Prozent, also etwa beim Zehnfachen.
Anzeigen erscheinen dabei nicht überall: gemessen wurden sie in ungefähr einem Viertel aller Antworten, und nur bei Fragen, die etwas Kaufbares berühren.
| Kennzahl | ChatGPT Ads | Google Search |
|---|---|---|
| Klickrate | 0,3–1,3 % | ~6,4 % |
| Steuerung | Ort, Budget, Gebot | Keywords, Match-Types, Gebote |
| Zielgruppen | keine | Interessen, Listen, Remarketing |
| Anzeigenformat | Karte unter der Antwort | Textanzeige über den Ergebnissen |
Die Grössenordnung ehrlich eingeordnet
Es kursiert die Zahl, dass 41,6 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer ihre Fragen inzwischen in einen Chatbot tippen statt in eine Suchmaschine.5 Die Zahl stimmt. Sie wird nur oft falsch gelesen.
Denn parallel dazu gilt: 95 Prozent der ChatGPT-Nutzenden benutzen weiterhin Google. KI-Werkzeuge machen rund 1,7 Prozent der Besuche in Europa aus, und der Verkehr, den sie an Websites weiterreichen, liegt unter einem Prozent.
Die Leute fragen den Chatbot also zusätzlich, nicht anstelle. Der Kanal ist echt, aber er ist heute klein. Und genau deshalb ist er billig zu besetzen: Wer wartet, bis er gross ist, zahlt dann den Preis eines gereiften Marktes.
Was wir konkret gemessen haben
Am 16. September, abends, in einem echten Konto:
- Kontoeröffnung: Antrag um 22:04 Uhr, aktiv um 22:07 Uhr. Vier Minuten, keine manuelle Prüfung, keine Wartezeit
- Währung und Zeitzone: CHF und Europe/Zurich sind wählbar — der Kanal ist nicht bloss in die Schweiz durchgereicht, er kennt sie
- Conversion-Messung: ein Ereignis «Reservation» liess sich über die Schnittstelle anlegen, mit 30 Tagen Klickfenster
- Das Pixel: über die Oberfläche in Minuten eingerichtet, die Kennung lässt sich in ein bestehendes Snippet einbauen
- Was nicht geht: kein Entwurf während der Prüfung, keine Testumgebung, keine Webhooks. Wer Änderungen macht, wartet auf eine neue Freigabe
Was wir nicht gemessen haben: ob eine Anzeige in der Schweiz ausgespielt wird. Dafür braucht es laufendes Budget in einem laufenden Betrieb, und das ist der nächste Schritt — nicht der erste.
Was adlessly damit macht
Wir richten den Kanal für einen Betrieb ein und führen ihn: Werbekonto, Pixel, Conversion-Messung gegen die echten Reservationen, Kampagne, Auswertung. Der Betrieb besitzt sein Konto und hinterlegt seine eigene Karte — das verlangen die Werberichtlinien so, und es ist auch richtig so. Dein Werbekonto gehört dir, nicht deiner Agentur.
Wir gehören damit zu den ersten Schweizer Agenturen, die diesen Kanal für lokale Betriebe führen. Was wir nicht behaupten: dass er sich schon rechnet. Das misst sich erst, wenn Reservationen daraus entstehen — und genau dafür hängt bei uns die Messung an der Reservationsdatenbank statt an einer Klickzahl.
Für dich als Wirt oder Ladenbesitzerin heisst das: Du musst dich jetzt nicht entscheiden, ob ChatGPT der nächste grosse Kanal wird. Du musst nur wissen, dass er offen ist, was er kostet und wer ihn für dich aufmacht, wenn du willst.
Quellen
- OpenAI: Self-Service-Werbekonten in allen 31 europäischen Märkten, Schweiz eingeschlossen, seit dem 31.08.2026. Entwicklerdokumentation und Hilfe-Center, gelesen am 16.09.2026.
- Eigene Messung: Werbekonto beantragt am 16.09.2026 um 22:04 Uhr, aktiv um 22:07:58 Uhr. Geo-Katalog am 10.09.2026 über die Schnittstelle ausgezählt: 26 Kantone, 3'363 Postleitzahlen.
- Zum Crawler-Verhalten: ChatGPTs Robot führt kein JavaScript aus, Seiten über 4 MB werden abgewiesen. Messreihen von Peec AI (04.09.2026) und RESONEO (17.08.2026, 1'200 Antworten, 88'000 Suchergebnisse).
- Klickraten aus acht unabhängigen Erhebungen 2026: Similarweb 0,68 %, Adthena 0,91 %, SE Ranking 1,30 %, Synter 0,35 % sowie vier weitere. Vergleichswert Google Search 6,66 % (Similarweb). Klickpreis rund 9 US-Dollar aus offengelegten Kontodaten.
- Comparis, repräsentative Erhebung, März 2026, n = 1'035: 76,1 % der Schweizerinnen und Schweizer nutzen regelmässig KI-Werkzeuge, 41,6 % tippen Fragen in einen Chatbot statt in eine Suchmaschine. Zur Einordnung: Similarweb misst über zwei Erhebungen (09/2025 und 05/2026) stabil 95 % Überschneidung zwischen ChatGPT- und Google-Nutzung.