In KI-Antworten erscheinen: was wirklich wirkt — und was widerlegt ist
Der stärkste gemessene Hebel für die Sichtbarkeit in KI-Antworten ist der Bewertungsschnitt: 4,7 statt 3,9 Sterne bringen 31,65 Prozentpunkte mehr Empfehlungswahrscheinlichkeit. Fünf der verbreitetsten Ratschläge sind dagegen widerlegt, einer davon wirkt sogar negativ. Hier steht beides mit Quelle.

Seit KI-Antworten in der Suche auftauchen, gibt es eine neue Ratgeber-Industrie. Sie verkauft «GEO», «AEO» und «KI-Schema» — meistens mit denselben fünf Tipps, die reihum abgeschrieben werden.
Das Problem: Mehrere davon sind inzwischen sauber gemessen worden, und sie wirken nicht. Einer wirkt sogar negativ. Hier steht, was die Messungen sagen — mit Quelle, Stichprobengrösse und Datum, damit du es nachprüfen kannst.
Was wirkt
1. Der Bewertungsschnitt — mit Abstand der stärkste Hebel
Eine kontrollierte Untersuchung hat zwölf Sprachmodelle mit 61'459 Abfragen konfrontiert und dabei einzelne Eigenschaften systematisch variiert. Das Ergebnis ist eindeutig: 4,7 statt 3,9 Sterne erhöhen die Empfehlungswahrscheinlichkeit um 31,65 Prozentpunkte.1
Das ist das einzige saubere kausale Design im ganzen Feld — alle anderen Untersuchungen sind Beobachtungen. Und es ist die einzige Zahl in diesem Beitrag, die man ohne Einschränkung als Handlungsanweisung lesen kann.
2. Das Google-Unternehmensprofil
Google Maps ist mit 32,5 Prozent die grösste Einzelquelle für lokale Empfehlungen in ChatGPT — über abgegriffene Kartendaten. Ein gepflegtes Profil wirkt also zweimal: im klassischen lokalen Ergebnis und in der KI-Antwort.
Wichtig ist die richtige Erwartung: Vollständigkeit ist die Eintrittskarte, nicht der Vorsprung. Sowohl die meistgenannten als auch die nie genannten Betriebe hatten zu 97 Prozent ein vollständiges Profil.
3. Viele Fotos
Ein messbarer Unterschied, der fast nichts kostet: Die meistgenannten Restaurants hatten fast viermal so viele Fotos wie die nur einmal genannten.
4. Der richtige Robot darf herein
Hier scheitern Betriebe still. Viele Websites sperren GPTBot — oft, weil ein Plugin das anbietet und «KI-Schutz» gut klingt.
Das ist der falsche Robot. GPTBot sammelt Trainingsdaten. Für die Frage, ob dein Betrieb in einer Antwort auftaucht, ist OAI-SearchBot zuständig. Wer nur GPTBot sperrt, verschwindet nicht aus ChatGPT — wer aber OAI-SearchBot sperrt, verschwindet.
5. Der Inhalt muss als Text dastehen
ChatGPTs Robot führt kein JavaScript aus. Eine Website, die ihre Inhalte erst im Browser zusammensetzt, liefert ihm eine leere Seite — auch wenn sie im Browser tadellos aussieht. Seiten über 4 Megabyte werden ganz abgewiesen.
Dazu kommt: Im Instant-Modus, den über 90 Prozent der Nutzenden verwenden, sieht das Modell nur den Titel und die ersten rund 200 Zeichen nach der Hauptüberschrift. Die Meta-Description ignoriert es.
Wenn dort «Willkommen auf unserer Website» steht, hast du dein Fenster mit einer Begrüssung gefüllt.
6. In fremde Bestenlisten kommen
Listen sind mit 21 Prozent aller Zitate das häufigste zitierte Format — «Die besten Pizzerien in Zürich», «Zehn Coiffeure in Basel». Platz eins in einer häufig zitierten fremden Liste bringt rund 16,5 Prozentpunkte Sichtbarkeit.
Das ist klassische Pressearbeit, kein SEO: Wer führt in deiner Stadt solche Listen, und kennt er deinen Betrieb?
Was widerlegt ist
Eine `llms.txt` anlegen. 28 Prozent der Domains publizieren inzwischen eine. 97 Prozent davon erhalten null Anfragen darauf — gemessen in den Server-Protokollen aller 137'210 Domains mit nennenswertem Verkehr. Googles Sprecher nannte das Konzept im Juni 2026 «purely speculative for now». Google Search Central schreibt ausdrücklich, für KI-Übersichten sei keine besondere Optimierung nötig und man müsse keine neuen maschinenlesbaren Dateien anlegen.
Zahlen und Zitate in den Text streuen. Der berühmteste GEO-Kniff, aus einer Arbeit von 2023. Eine Replikationsstudie vom September 2026 hat ihn über zehn Modellfamilien mit kontrollierten, paarweisen Textänderungen nachgeprüft und schreibt wörtlich: «none of the three strongest 2023-era GEO levers moves citation». Ein Hebel wirkte nominal sogar negativ.2
Aggressiv auf KI optimieren. Messbar schädlich: In einer Auswertung über 171'003 Dokumente sank die Zitationsrate um 6 Prozent. Dazu kommt ein Risiko — solche Texte sind maschinell als optimiert erkennbar, mit einer Trefferquote bis 0,944.
Auf Bewertungen antworten. 0,11 Prozentpunkte. Statistisch nicht von null unterscheidbar. Tu es für die Menschen, die es lesen — nicht für die Sichtbarkeit.
Möglichst viele Bewertungen sammeln. 8,31 Prozentpunkte gegenüber 31,65 für den Schnitt. Und ein Restaurant mit über 1'000 Bewertungen ist zu 70,9 Prozent unsichtbar. Zehn zufriedene Gäste um eine ehrliche Bewertung zu bitten ist besser, als hundert Bewertungen um jeden Preis einzusammeln.
Der Satz, der alles einordnet
Eine Untersuchung hat auch das durchgerechnet, was passiert, wenn alle diese Ratschläge befolgen: Der Einzelnutzen fällt von 0,802 auf 0,007. Nicht-Teilnehmer erhalten null.
Im Klartext: Das ist ein Wettrüsten, kein Vorsprung. Mitmachen ist Pflicht, sobald es alle tun. Solange es kaum jemand tut — in der Schweiz haben nach einer Erhebung mit 273 Unternehmen nur 7 Prozent überhaupt eine Strategie für KI-Sichtbarkeit, und die Hälfte gar keine — ist es günstig zu haben.
Die ehrliche Reihenfolge für einen lokalen Betrieb
1. Google-Unternehmensprofil vollständig, aktuell, mit vielen Fotos 2. Am Bewertungsschnitt arbeiten — nicht an der Bewertungsmenge 3. Website prüfen: Steht der Text im Quelltext, oder baut ihn erst der Browser? 4. OAI-SearchBot durchlassen 5. Titel und erster Absatz jeder wichtigen Seite: die Antwort, nicht die Begrüssung 6. In lokale Bestenlisten kommen
Fünf von sechs Punkten helfen genauso bei Google. Das ist kein Zufall, sondern der Grund, warum man dafür keinen eigenen KI-Kanal aufmachen muss.
Quellen
- Randomisiertes Conjoint-Experiment über zwölf Sprachmodelle, 61'459 Modellabfragen, arXiv:2606.16344. Bewertungsschnitt 4,7 statt 3,9 = +31,65 Prozentpunkte; Anzahl Bewertungen +8,31 pp; Antworten auf Bewertungen +0,11 pp.
- Replikationsstudie vom 07.09.2026, arXiv:2609.07559: zehn Modellfamilien, gepaarte volumenkontrollierte Textänderungen. «None of the three strongest 2023-era GEO levers moves citation.» Ergänzend SAGEO Arena über 171'003 Dokumente: aggressive Optimierung senkt die Endzitation um 6 %, maschinelle Erkennbarkeit bis F1 0,944.
- Ahrefs, Mai 2026, Server-Protokolle aller 137'210 Domains mit Verkehr: 28 % publizieren eine
llms.txt, 97 % davon erhalten null Anfragen. John Mueller (Google) am 02.06.2026: «purely speculative for now». Google Search Central zu KI-Übersichten: keine besondere Optimierung, keine neuen maschinenlesbaren Dateien erforderlich. - Quellenverteilung lokaler Zitate aus der SOCi-Erhebung über 2 Mio. Quelladressen: Google Maps 32,5 %, Websites 23,1 %, TripAdvisor 18,41 %, Yelp 10,5 %, Facebook 7,6 %. Fotoanzahl aus einer Pluspoint-Auswertung über 551 Antworten. Listenanteil 21 % aller Zitate, Platz 1 in einer häufig zitierten Fremdliste +16,5 pp.
- Digital Leverage, Erhebung Juli bis September 2025, n = 273 Schweizer Unternehmen: 7 % haben eine Strategie für KI-Sichtbarkeit, 50 % gar keine.